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Der Pulverdampf legt sich langsam

Am letzten Samstag im Oktober trafen sich im Rahmen des diesjährigen Naturschutztages gegen fünfzig Waldfreunde, um 250 junge Eichen zu pflanzen. Zu dieser Aktion hatte der Natur- und Vogelschutzverein Rheinfelden (NVVR) zusammen mit der Forstverwaltung eingeladen. Auch rund ein Dutzend Mitglieder der 'IG Nein zur Deponie im Wäberhölzli' fanden sich an diesem sehr kühlen Morgen am Ostrand der Unteren Rüchi unweit der Landi ein.

 

Es war die erste gemeinsame Aktion nach der Wäberhölzli-Abstimmung. In der Begrüssung wurde der Abstimmungs-kampf mit keinem Wort erwähnt. Das war auch gut so. Vielmehr wurde der Hoffnung Ausdruck gegeben, gemeinsam etwas Positives für die Zukunft zu beginnen. Das verlieh den Teilnehmern dann auch so viel Schwung, dass die 250 kleinen Eichen in kurzer Zeit an ihren vorgesehenen Platz kamen.

 

Ausgepflanzt werden die Bäumchen auf verschiedene Art:

 

Hier in Rheinfelden werden die kleinen, etwa 30 cm hohen Bäumchen in Gruppen von 12 bis 15 Eichen, jeweils im Abstand von etwa 2 m eingepflanzt. Von ihnen wird schliesslich nur ein Exemplar überleben und zu einem grossen, starken Baum wachsen. Die übrigen werden es nicht schaffen: sie werden eingehen oder entfernt, um dem stärksten Baum optimale Lebensbedingungen zu ermöglichen.

 

In Lenzburg werden die Eichen in einer 'Baumschule' bis zu einer Grösse von 50 bis 70 cm grossgezogen und erst danach ausgepflanzt. Da sie dort, wo sie eingepflanzt werden auch gross werden sollen, ist der Abstand von Eiche zu Eiche viel grösser. Über Jahre werden die ausgepflanzten  Bäumchen von den Förstern gepflegt.

 

Was bei beiden 'Methoden' gleich ist: Die gerodeten Flächen sind klein, und es werden auf den neuen Lichtungen auch einzelne ausgewachsene Bäume stehen gelassen, um den jungen Pflanzen etwas Schatten zu spenden.

 

 

Ein - allerdings durchaus beabsichtigter - Nebeneffekt der Aktion sollte wohl sein, vom Gegen- zum Miteinander zu finden, Gemeinsamkeiten zu suchen und eine starke Basis für zukünftige Dialoge zu legen.

 

Der Pulverdampf scheint sich zu verziehen. So gesehen ist die Aktion samt Nebeneffekt gelungen. Die neue Richtung sollte nun konsequent weiterverfolgt und eingehalten werden, auch wenn noch die eine oder andere Hürde zu überspringen sein wird. Der gute Wille war spürbar. Er wird bestimmt überleben.

 

BEAT SCHÄRER, RHEINFELDEN


Blick über den Waldrand

Ausbau und Pflege von Eichenwaldreservaten ist ein wichtiges Anliegen des Departements Bau, Verkehr und Umwelt unseres Kantons. Die Förderung der Reservate wird vom Kanton finanziell unterstützt, und die Eigentümer des Waldes - das sind meistens die Ortsbürgergemeinden - haben die Freiheit vorzuschlagen, wie sie das umsetzen wollen. 

Die Ortsbürgergemeinde Rheinfelden wählte den Weg über das Auffüllen einer früheren Kiesgrube im Wäberhölzli. Dafür hätten dort etwa 80'000 qm gesunder Wald abgeholzt werden sollen. Auf der Deponie mit Abbruch- und Aushubmaterial wären dann die jungen Eichen ausgepflanzt worden.

Die Forstdienste Lenzia in Lenzburg unterstützen das Anliegen des Kantons auch, aber auf eine andere Art.

Ich zitiere aus dem Faltprospekt 'Willkommen im Lind - Boll':

"Im neu geschaffenen Eichenwaldreservat Lenzia sollen die alten Eichen im Wesentlichen erhalten bleiben. Gleichzeitig ist der Nachwuchs dieser ökologisch wertvollen Baumart zu fördern. So sollen in 15 Jahren 30 ha neuer eichenreicher Wald im ganzen Forstbetrieb begründet werden - dies in bekannter Lenzburger Tradition, stets kleinflächig und nicht im Kahlschlagverfahren."  

 

 

 

 

 

In einem Pflanzgarten - er liegt im Forst 'Lind'  - werden die Eichen grossgezogen. Damit sie ihre Wurzeln nach unten ausrichten, werden die jungen Bäumchen in Abflussrohrstücke von 50 bis 60 cm Länge gesetzt. 

 

 

 

Vor dem Auspflanzen der Eichen werden kleine Waldstücke - zum Beispiel einige hundert bis wenige tausend qm ausgelichtet oder gerodet. Die Bäumchen werden vor Verbiss durch Wild geschützt. Im Beispiel hier wurden einige grosse Bäume stehen gelassen.

 

Links zum Forstdienst Lenzia, Lenzburg:

http://www.lenzburg.ch/de/forstdienst-lenzia.html

http://www.lenzburg.ch/de/dienstleistungen-_content---1--1109.html

Hätten Sie Lust, sich den jungen Lenzburger Eichenwald anzusehen - zum Beispiel wenn er im bunten Herbstkleid dasteht?

Hier können Sie einen Orientierungsplan als PDF herunterladen. 

 

Doch nun zurück nach Rheinfelden:

Die IG "NEIN zur Deponie im Wäberhölzli" hat sich nicht gegen die Förderung des Eichenwaldreservats gewehrt, wohl aber gegen die Art und Weise, wie das erreicht werden soll.

Mit dem Ausgang der Abstimmung Anfang Juni ist der Wald im Wäberhölzli gerettet. Am 9. Dezember des letzten Jahres wurde jedoch der Antrag Markus Thüer von der Gemeindeversammlung angenommen:

"Der Gemeinderat hat zu prüfen, ob die Einwohnergemeinde der Ortsbürgergemeinde einen allfälligen Ertragsausfall aus einer möglichen Ablehnung der Restauffüllung Wäberhölzli ersetzen kann und so das Eichenwaldreserverat zu ermöglichen. Der Sommergemeindeversammlung ist Bericht und Antrag zu unterbreiten."

Eine Antwort konnte der Gemeinderat in den wenigen Tagen zwischen der Abstimmung und der Sommergemeindeversammlung natürlich nicht finden. Die Aufarbeitung des Entscheids an der Urne steht also noch aus.

 

BEAT SCHÄRER, RHEINFELDEN


Biodiversität - ein Thesenpapier von Jürg Keller

  • Europa hat in den letzten Eiszeiten bis zu 3/4 seiner Arten eingebüsst - meistens wegen des todbringenden Riegels von Mittelmeer/Sahara.
  • Damit ist das Nischennetz an den meisten Orten grobmaschig, kann also beispielsweise leicht Neophyten aufnehmen.
  • Am dichtesten ist das Nischennetz bei uns in den sogenannten Wärmeinseln (z.B. zwischen Bözen und Effingen). Dort zeigt etwa die Spinnenfauna eine erstaunlich grosse Vielfalt, die auf eine reiche und sehr alte Nischenfüllung hinweist.
  • Nach dem Atlantikum wurde Mitteleuropa allmählich von Buchenwäldern dominiert.
  • Ab der Pfahlbauzeit  griff der rodende Mensch zunehmend in die natürlichen Wälder ein: Die Schweiz hat vermutlich nur noch zwei Urwälder (Brigels/Derborence) 
  • Die Pferdelandwirtschaft schuf eine parkähnliche Landschaft mit mehr ökologischen Nischen als die natürliche Vegetation anbot: Der Aargau hatte um 1860 mehr Pflanzenarten als je zuvor oder nachher.
  • In der 2. Hälfte des 19. und im  20. Jahrhundert wurde die Artenvielfalt durch die Intensivlandwirtschaft und die Landge-winnung in Feuchtgebieten sowie durch die Fichtenkultur enorm dezimiert.
  • Die Antwort des Naturschutzes auf diese Verarmung hiess: Schutzgebiete schaffen, Renaturierungen fördern, mehr ökologische Nischen schaffen (z.B. Buntbrachen, Hecken).
  • Im Wald dürfte der Kanton Baselland pionierhaft vorgegangen sein: Aufforstungen gegen die Natur (z.B.Fichten) wurden durch naturnahe Bepflanzungen ersetzt. Die Idee war die: man soll  die Baumarten pflanzen, die ohne menschliche Hilfe gedeihen können.
  • Damit hängt eine Naturdefinition zusammen: Natürlich ist, was von Natur aus heimisch ist und ohne menschliche Hilfe gedeihen kann.
  • Dort, wo das Wäberhölzli jetzt wächst, wäre die Buche natürlich, dies wäre ebenfalls auf der geplanten Deponieschicht der Fall gewesen. Eine dominante Eichenschicht ist in Europa erst in tieferen oder südgeneigten Lagen anzutreffen (Déps.Haut Rhin, Bas Rhin).
  • Damit ergibt sich, dass das geplante Eichenwäldchen auf der Deponieschicht nicht natürlich, sondern ein Kunstwald geworden wäre: Das jetzige Wäberhölzli ist als  „standortgerechter“ Mischwald zwar auch nicht natürlich, steht aber der Natur näher als ein lichter Eichenwald, der seine Heimat erst im Elsass (Bois de Rothleible) hat.
  • Unsere Wälder sind von Natur aus relativ artenarm: Indem die Buchenkronen flächendeckend das Licht abschirmen, ist aber auch nichts anderes zu erwarten. Das Fagetum nudum im NE Europas (z.B. bei Gdansk) zeigt diese Artenarmut in Extrem-ausbildung.
  • Der Naturschutz leidet daran, dass er die natürliche Ästhetik nicht würdigen kann. Heimlich sehnt er sich nach mediterranen Vielfalten ("Toscana des Aargaus“, Plakat der Pro Natura Aargau im Nettenberg, Bözen). Solche gibt es aber nur auf stark besonnten Südhängen  (Asp/Densbüren).
  • Eine solche Extremlage in Rheinfelden schaffen zu wollen, entspricht aber dem Anlegen eines botanischen Gartens: Die Deponisten von Rheinfelden wollten dies als "Mehr Natur“ verkaufen, "Mehr Unnatürlichkeit" wäre richtiger gewesen.
  • Der Naturschutz (Birdlife AG, Pro Natura AG) leidet an einem Mangel an Ästhetik, aber auch an einer Nichtberücksichtigung der Transformationskosten: Weil Menschen etwa 80 Jahre alt werden sind Grossrodungen im Hektarenbereich recht eigentlich unmenschlich: Das Recht, den Menschen den Naturgenuss über Jahrhunderte wegzunehmen, ist kaum geltend zu machen. 
  • Grossrodungen finden heute aber auch den Gefallen von Naturschutzverbänden: Lothar hat ansteckend gewirkt: Das Gleichgewicht eines Waldes muss der Dynamik seiner Zerstörung weichen: Was in der Ardennenschlacht durchexerziert wurde, soll im Waldbau nachgeahmt werden.
  • Mit den Grossrodungen hat sich der Waldbau der Hochhaltung des Ungleichgewichtes (Sukzessionen) verschrieben. Im Emmental (auch in Lenzburg) hat der Plenterbetrieb aber eine feinnetzigere Nischenbereicherung vorgemacht: Indem kleinflächige Stammentnahmen vorgenommen werden, wird der Wald auf kleinem Raum vielstufig und damit auch vielartiger.
  • Die Sünde des Naturschutzes : Er hat sich nicht in den Wald gewagt: Seine Anstrengungen im Landwirtschaftsgebiet haben ein kleines Aufwand-/ Ergebnisverhältnis. Die Buntbrachen beispielsweise kosten Subventionen und leiden an ungenügender Vernetzung. Die Waldwirtschaft erhält aber nur einen Bruchteil der Landwirtschaftssubventionen. Damit wird der Waldbau wegen des Kostendrucks zunehmend brutalisiert. 
  • Die Hauptaufgabe des aktuellen Naturschutzes: Ökologische Ausgleichszahlungen im Wald anstreben. Die diesbezüglichen Beisshemmungen müssen fallen: Forstingenieure sind ihren Ortsbürgern ausgeliefert, sie müssten auch vom Naturschutz bedrängt werden können.
  • Beim Wäberhölzli hat der Naturschutz deshalb versagt, weil er eine 8 Hektaren grosse Rodung eines Jungwaldes guthiess. Er liess sich durch einen geplanten  - naturfernen und lichten -  Eichenwald ködern. Damit hat er leichtsinnig oder unwissend auch noch 40 Jahre photosynthetischer Arbeit geopfert (einen 15 Meter hohen Jungwald). Was sich Naturschutz nennen will, hätte dieses Wäldchen durch kleinflächige Eingriffe ökologisch so anreichern müssen, dass die vorhandenen Nischen noch besser gefüllt worden wären. 

 

Fazit

 

Biodiversität ist kein Eigenwert, sondern stösst dort an Grenzen, wo die Natur Einhalt gebietet. 

In Rheinfelden hat sich gezeigt, dass der Naturschutz nur noch für Behörden eine glaubwürdige Instanz darstellt. Er hat sich zu sehr mit den Machtverhältnissen arrangiert und verfehlt damit eine in der Bevölkerung gewachsene Sensibilität. Man kann die Waldfläche nicht schützen und gleichzeitig das Treiben der Waldbewirtschafter unbesehen gutheissen. Und so, wie die Landwirt-schaft vom einzelnen Bauern bis ins Parlament vertikal vernetzt ist, so deckt auch das Buwal was in der Abteilung Wald in Aarau gewünscht wird, und Aarau gibt sein williges Ohr auch den Ortsbürgern von Rheinfelden, denen es eigentlich nur um Deponie-gebühren geht. Der Naturschutz muss in diesem Knäuel die Rolle der unabhängigen Instanz übernehmen - mitmachen ist nicht mehr zu verantworten!

 


Glücklich gerettet: Das Wäberhölzli 

 

Überglücklich und tief erleichtert waren wir am Sonntagnachmittag, als die erlösende Meldung von der Rettung des Wäberhölzlis kam. Der sehr heftige Abstimmungskampf liess kein sicheres Resultat prognostizieren.

Nun sind wir überaus dankbar, dass es uns trotz unseres geringen Budgets gelungen ist, die Mehrheit der Stimmberechtigten mit der Fülle unserer Argumente zu überzeugen. Allen, die uns unterstützten, sei herzlich gedankt. Wir mussten in diesem Kampf fast ganz allein gegen die politischen Institutionen antreten, lediglich die Jagdgesellschaft stand auf unserer Seite (hier gehört ein spezieller Dank dem tapferen Jagdaufseher Jean-Louis Mehlin).

In die Freude über die Verhinderung dieser unbegreiflichen Rodung mischen sich aber auch noch bittere Gefühle: Warum warnte niemand die Ortsbürger vor diesem unmöglichen Projekt? Niemand in Rheinfelden scheint den Sprengstoff gerochen zu haben, der in einer Rodung eines kräftigen Jungwaldes liegt. Munter und teuer wurde projektiert, ohne das Risiko eines Scheiterns ange-messen zu berücksichtigen. Dabei hätte man nur in einigen andern Kleinstädten im Aargau nachfragen können: Nirgends hätte diese Rodung/Deponie den Rang eines Traktandums einer Gemeindeversammlung erreicht, als zu sensibel wäre das Vorhaben erkannt worden.

Nun ist Rheinfelden gespalten und mit beschädigtem Vertrauen aus dieser Abstimmung herausgetreten. Es wird nun alle Kräfte Rheinfeldens brauchen, zu kitten, was zerbrochen ist, und mit ehrlicher und offener Information wieder Vertrauen zu schaffen.

Das neue geschaffene Eichenwaldreservat könnte hier als Brückenprojekt dienen. Nichts würde jetzt die Atmosphäre mehr ver-giften, als wenn die Ortsbürger ihre Drohung, den Eichenwald-Vertrag zu kündigen, wahrmachen würden. Man hofft, dass die führenden Personen hier zur Vernunft mahnen werden. Den Deponiebefürwortern sei als Trost für ihre Niederlage jetzt ein Spaziergang durch das prächtig aufstrebende Wäberhölzli empfohlen. Wenn dann noch der Pirol singt, dann ist das Naturglück vollkommen. Und dieses passt weit besser zum Wakkerpreis als eine braune Deponie. Und deshalb sollte man auch glauben: Die Deponiegegner haben Gutes für Rheinfelden getan.

 

JÜRG KELLER, RHEINFELDEN IG «NEIN ZUR DEPONIE IM WÄBERHÖLZLI»

 

Bild: Mitglieder der IG, die in den letzten Monaten die Aktivitäten zu koordinieren versuchten, mit Angehörigen (es fehlen: Christoph und Monika Heid in den Ferien)

 

 

 

 

 





 

 

Wäberhölzli 4ever auf YouTube - Worum es geht 

 

Wärmende Sonnenstrahlen lassen das Wäberhölzli in seiner vollen Pracht erblühen: Ein jährlich wiederkehrendes Wunder! 

Am 5. Juni können wir über das Schicksal dieses Waldes abstimmen. Mit verschiedenen Videobeiträgen auf YouTube zeigen wir, was man bedenken sollte.

 

 

Zur Auswahl und zum Starten der Videos hier klicken



Belohnung für vorbildliche Waldpflege

 

Der Binding-Waldpreis ist der höchstdotierte Umweltpreis der Schweiz. Er wird 2016 an die Bürgergemeinde Basadingen-Schlattingen im Kanton Thurgau vergeben. 

 

Hier können Sie den Bericht in der NZZ lesen


Gemeindebeschwerde

 

Die Beschwerde der IG 'Nein zur Deponie im Wäberhölzli' vom 21. Dezember 2015 betreffend Einwohnergemeindeversammlung vom 9. Dezember wurde vom Kanton (Departement Volkswirtschaft und Inneres, DVI) abgewiesen.

 

Link:

Der Entscheid des DVI im Detail und die Berichterstattung darüber in der lokalen und regionalen Presse


Das Wäberhölzli erwacht aus dem Winterschlaf

 

Die Tage werden länger und - wenigstens zwischendurch - auch etwas wärmer. Das Wäberhölzli erwacht aus dem Winterschlaf. Zwar werden noch einige Wochen vergehen, bevor die Bäume wieder ihr Blätterkleid bekommen. Lohnt sich trotzdem jetzt schon ein Waldgang?

Ja, zum Beispiel zur Südostecke des Areals, auf dem eine Deponie für Aushub- und Abbruch-material entstehen soll, wenn es nach dem Willen der Ortsbürgergemeinde geht. Die Ecke ist dort, wo der Schlackenweg* auf den Wäberholzweg trifft. Gehen Sie auf dem Wäberholz einige Schritte Richtung Westen, also Richtung Rehaklinik. Blicken Sie dann nach rechts, und Sie werden den steilen Abhang sehen, der bis zum Boden der 'Wäberhölzliwanne' reicht. Hier offenbart sich ein-drücklich, wie hoch in der geplanten Deponie Material aufgeschüttet würde.

Auf dem Waldgang treffen Sie auch zahlreiche Eichen an, deren stattliche Kronen gerade jetzt in voller Dimension zur Geltung kommen. Später, wenn die Blätterkulisse den Wald in eine Art grüne Kathedrale verwandelt, wird sich die Perspektive ändern. Der oben empfohlene Tiefenblick wird nicht mehr so eindrücklich sein.

 

 

*Orientierungshilfe: Vom Parkplatz beim Waldwerkhof auf der (abklassierten) Waldstrasse 370 m Richtung Möhlin gehen. Der zweite (geteerte) Waldweg auf der linken Seite ist der Schlackenweg. Dort liegen zur Zeit einige Dutzend Baumstämme, nach Holzsorten geordnet. Den ersten Abgang rechts liegen lassen. Beim Weberholzweg werden Sie ein neues Wegschild aus Holz sehen.


 

 

Nein, keiner

 

Aufgrund mehrerer Anfragen legen wir Wert auf die Feststellung, dass kein Zusammenhang zwischen der Beschriftung des Wagens einer lokalen Fasnachts-gruppe und Traktandum 3 der Gemeindeversammlung vom 9. Dezember 2015 besteht.


 

Eine Hürde ist geschafft - das Referendum steht!

 

Die Stadtkanzlei bestätigt: 1432 gültige Unterschriften sind zusammengekommen.

 

Wir freuen uns* und danken allen, die unser Anliegen mit ihrer Unterschrift unterstützten und allen, die über die Festtage und danach mit Beharrlichkeit und Überzeugung mit den Unterschriftenbögen unterwegs waren. Der Einsatz hat sich gelohnt.

 

Die letzte Hürde steht im Juni vor uns. Jetzt werden wir ein paar Wochen tief durchatmen, um dann mit Schwung auf sie loszugehen. Wir bleiben dran!

 

 

* ganz leise und im Verborgenen


Quelle: Aargauer Zeitung vom 19.01.2016, Seite 21


Wäberhölzli: Über 1000 Unterschriften gesammelt

 

RHEINFELDEN. Das Referendum gegen die geplante Deponie im Rheinfelder Wäberhölzli dürfte zustande kommen. Die Gegner des Projektes waren in den vergangenen Wochen sehr aktiv. «Wir haben bereits über 1000 Unterschriften gesammelt», erklärt Jürg Keller von der IG «Nein zur Deponie Wäberhölzli». Rund 750 wären nötig, damit das Referendum gegen den Gemeindever-sammlungs-Entscheid vom 9. Dezember 2015 gültig ist.

«Die Unterschriftensammlung lief gut. Wir sind sehr zufrieden. In der Regel genügte der blosse Hinweis auf das bedrohte Wäber-hölzli, oft wurden die Sammlerinnen und Sammler sogar erwartet», so Keller.

Die Unterschriften sollen am kommenden Montag, 18. Januar, an den Stadtschreiber übergeben werden. Danach werden die Unterschriften geprüft. «Unter dem Vorbehalt des Zustandekommens des Referendums und des Ergebnisses der hängigen

Beschwerden wird die Urnenabstimmung voraussichtlich am 5. Juni 2016 durchgeführt. An diesem Datum finden gleichzeitig kantonale und eidgenössische. Abstimmungen statt», erklärt Stadtschreiber Roger Erdin. «Wir werden das Thema warm halten, um es im Mai wieder in den Vordergrund zu schieben», schildert Keller. Er ist zuversichtlich, dass an der Urne das Deponie-Projekt abgelehnt wird.

Zur Erinnerung: An der Rheinfelder Einwohnergemeinde-Versammlung vom 9. Dezember 2015 gab es zuerst ein Nein zur Deponie (311 gegen 211 Stimmen). Daraufhin verliessen rund 200 Leute den Saal. Der Präsident der FDP stellte später jedoch erfolgreich einen Rückkommens-Antrag und im zweiten Anlauf resultierte ein Ja (205 gegen 132).

Jetzt wird die Deponie-Frage voraussichtlich an der Urne beantwortet. Zudem sind noch zwei Beschwerden in dieser Sache beim

Kanton hängig. (vzu)

 

NFZ

14.01.2016

Bild und Bericht der NFZ vom 19.01.2016 von der Übergabe der Unterschriften im Rathaushof


Alternativ-Vorschlag anstelle von Wäberhölzli-Deponie

 

Gegen die geplante Wäberhölzli-Deponie formiert sich eine breite Gegnerschaft. An diesem Projekt festzuhalten wäre unklug. Wenn an diesem Standort nicht durchführbar, wo dann? Ich hätte da folgenden Vorschlag: Auffüllung des Chleigrütgrabens. Dieser zieht sich von der Firma Josef Meyer

Rail AG hinunter zum Rhein, parallel zur Strasse, die zum neuen Kraftwerk führt und zur bestehenden Grube im

Chleigrüt. Im oberen Teil befindet sich etwas vertieft die Kläranlage der Meyer Rail AG. Ansonsten ist dieser Graben leer. Es führen keine offiziellen Wanderwege hindurch. Die Begehung ist nicht ganz ungefährlich.

Dieser Graben könnte «störungsfrei » aufgefüllt werden. Das kleine Gewässer kann unterirdisch durchgeführt werden. Als grosser Vorteil zu erwähnen sind: Die Zufahrt erfolgt über die bestehende Strasse der grossen Deponie im Chleigrüt und tangiert kaum jemanden. Nach der Auffüllung könnte der Wanderweg dem Rhein entlang oben weitergeführt werden. Es erübrigt sich der Abstieg zum Kraftwerk hinunter und danach der Wiederaufstieg beim ehemaligen Grossgrütgraben. Der neue Wanderweg könnte dann ohne nennenswerte Steigungen oder Gefälle auf der Höhe weitergeführt werden. Ein Eichenwaldreservat wäre eben-falls möglich. Dieses Gebiet ist im Katasterplan als nicht belastetes Gebiet eingezeichnet (im Gegensatz zum Wäberhölzli!). Nachteile: Die vorgeschlagene Deponie hat weniger

Füllvolumen als im Wäberhölzli vorgesehen. Dafür ist sie schneller rekultiviert. Eine ökologische Beurteilung kann ich nicht ab-geben. Diese müsste vorgenommen werden. Es bleibt weiter abzuklären, ob eine dritte Grube/Deponie bereits heute realisiert werden muss.

Liebe Verantwortliche, prüft doch bitte diesen Alternativ-Vorschlag ernsthaft. Ich bin gespannt auf Ihre Antwort!

 

GERHARD HEER, RHEINFELDEN

12.01.2016



 

Das Wäberhölzli muss bleiben!

 

Wer will den gesunden Wald Wäberhölzli bewusst zerstören?

 


Recht oder Pflicht?

NFZ

Wir leben in einer direkten Demokratie und haben das Privileg, ein Stimm- und Wahlrecht zu haben. Wie der Name schon sagt, handelt es sich hierbei aber um ein Recht, nicht um eine Pflicht. Wir haben also das Recht, uns für etwas einzusetzen – oder eben nicht. Wenn einer eine Gemeindeversammlung nun verlässt bevor alle Traktanden behandelt sind, missachtet er nicht eine Pflicht, sondern verzichtet auf ein Recht. Er macht von seinem Recht Gebrauch, selber zu entscheiden, wo sein Mitwirken Sinn macht und wo er die Entscheidung lieber denen überlässt, die in der Lage sind, sich über ein Thema eine eigene Meinung zu bilden.

Die Rodungsgegner haben aus Unwissenheit auf das Recht verzichtet, einem Rückkommensantrag entgegen zu wirken. Und vor allem diese werden sich wohl im Nachhinein darüber geärgert haben.

Nun scheint es aber so zu sein, dass sich auch die Rodungsbefürworter über das Verhalten der Gegner geärgert haben, dies obwohl genau sie diejenigen sind, die davon profitierten.

Ob es sich hier nun um eine Doppelmoral oder ein grundsätzlich anderes Demokratieverständnis handelt, bleibt wohl offen. Man kann geteilter Meinung sein, darf und soll auch darüber diskutieren. Vergessen wir aber nicht, dass es hier um ein Thema geht,

dass es verdient hat, fair und sachlich behandelt zu werden.

Geben wir dem Referendum zum Thema Wäberhölzli mit unserer Unterschrift eine Chance und ermöglichen allen Rheinfeldern

das Recht mit zu wirken – oder eben nicht.

 

MICHEL SCHMID, RHEINFELDEN

7. Januar 2016


Deponie Wäberhölzli und die Gemeindeversammlung

 

Rheinfelden besitzt schon zwei Gruben, «Kleingrütt» und «Untere Rütenen». Beide

Gruben besitzen so viel Kapazität, dass es die neue Deponie überhaupt nicht braucht. Von den Schäden für die Umwelt ganz abgesehen. Herr von Büren sieht das anders, gehört die Deponie Wäberhölzli doch der Ortsbürgergemeinde. Das hätte zur Folge, dass die Ortsbürgergemeinde für 700'000 Kubikmeter Deponieschutt 3,5 Mio. Franken erhält. 75% des Schutts stammt aus dem unteren Fricktal und soll nach Rheinfelden geschickt werden zur Entsorgung. 

Dafür wird ein Naherholungsgebiet über Jahrzehnte zerstört. Weiter soll der Bevölker-ung nicht nur vom Gebiet Alte Saline 5 Jahre lang pro Werktag bis zu 70 LKW mit Schutt zugemutet werden. Es muss ja nicht nur ein grosser Teil eines 35-jährigen Baumbe-standes geschlagen werden. Zu guter Letzt muss auch noch eine LKW-tüchtige Teer-strasse in den jetzigen Wald gebaut werden. Bedenken wegen Grundwasserver-schmutzung braucht die Bevölkerung nicht zu haben, weil von jedem LKW Proben zuerst ent-nommen werden, so die Aussage der Gemeinde. Und wie soll das funktionieren? Wir sollten den Wahnsinn stoppen und das Geld in ein Städtekonzept zur Erhöhung der Altstadtattraktivität stecken.

Der Aargau ist der einzige Kanton in der Schweiz, wo ein Rückkommensantrag nach einer 1. Abstimmung gestellt werden kann. Diesen Winkelzug kennen nur wenige Juristen unter anderem auch die FDP. Herr von Büren behauptet in der NFZ vom 17. Dezem-ber: «Das Nein zum Wäberhölzi war für mich nicht der Grund für den Antrag. Ich will etwas gegen die Betroffenheits-Demokratie unternehmen. Ich hätte einen solchen Antrag theoretisch auch bei einem anderen Geschäft stellen können, das Wäberhölzli stand dabei nicht im Zentrum». Wer soll das glauben Herr von Büren? Auf der einen Seite laut Herr von Büren «soll die Gemeindever-sammlung anständig durchgeführt werden können. Deswegen müssen wir dafür sorgen, dass nicht irgendwelche interessen-gruppen nach der Behandlung ihres Geschäftes johlend den Saal verlassen. Ich hoffe, das habe ich damit erreicht». Zum Glück hat Herr von Büren am gleichen Tage per Zufall den Antrag gestellt und der Bevölkerung soll vorgegaukelt werden, wie «sauber » die Politik auch bei uns gepflegt wird. Zur Wahrheit, Glaubhaftigkeit und Transparenz hätte es gehört, wenn die anwesenden Stimm-bürger gleich am Anfang erfahren hätten, was ein vorzeitiges Verlassen nach der 1. Abstimmung für Konsequenzen haben kann. Nichts davon ist passiert und da zufälligerweise Herr Mazzi und Herr von Büren in der gleichen Partei sind, ist auch am gleichen Tag Herr Mazzi ein Fehler unterlaufen. Auf Nachfrage hat Herr Mazzi bestätigt, den Hinweis auf den unbegründeten Rückkommens-antrag am 9.12. vergessen (?) zu haben. «Üblicher Weise würde er den Hinweis vor jeder Versammlung machen », das die Worte von Herr Mazzi.

So haben beide FDP-Politiker ihren Anteil daran, dass Politik einmal mehr nicht glaubwürdig ist und junge Leute sich immer mehr von der Politik abwenden. Jetzt hat das Stimmvolk das letzte Wort beim Referendum und es ist an der Zeit, auch in unserer Stadt mal wieder ein Zeichen zu setzen für die Zukunft.

 

JÜRGEN ZIESENHENNE, RHEINFELDEN

5. Januar 2016


Diese Gmeind war ein Politdrama

az vom 11. Dezember Nach dem Nein ist vor dem Ja

 

Was an der Rheinfelder Gemeindeversammlung vom 9. Dezember ablief, ist ein Polit-drama, wie es nur von Stadtrat, Natur- und Vogelschutzverein, Gewerbeverband und Parteien inszeniert werden konnte: eine abgekartete, wohl orchestrierte Inszenierung mit dramatischem Schluss.

Verspäteter Vorhang auf: Ohne zwingenden Hinweis des Vorsitzenden Franco Mazzi auf die Möglichkeit des Rückweisungsantrags. Angeblich vergessen.

Erster Akt: Budgetfolienorgie in ungebührliche Länge gezogen.

Zweiter Akt: Geplante Deponie Wäberhölzli. Unendlich langes Referat des Vor-sitzenden. Sein botanischer Exkurs über Eichen und das dann in 50 Jahren spriessende Eichenwaldreservat langweilte. Die Geduld der meisten Zuschauer wurde über Gebühr strapa-ziert. Endlich konnte man seine Meinung kundtun und durfte abstimmen. Welche Erleichterung, als die Stimmen ausgezählt und das Todesurteil der Deponie gefällt waren. Ende gut, alles gut. Weit gefehlt.

Dritter Akt: Sehr viele der Nein-Stimmenden wollten nach dieser Tortur um 22 Uhr nur noch nach Hause. Nun war man im Saal mehrheitlich unter sich und konnte ganz am Schluss gespannt auf den von langer Hand geplanten Dolchstoss des FDP-Vor-sitzenden warten. Wieder wurde abgestimmt – mit der Folge, dass die Deponie zu neuem Leben erweckt wurde.

Ende. Oder doch nicht? Im Nachspiel geht es jetzt darum, genügend Unterschriften zu sammeln. Ein mühsames Unterfangen, aber machbar, wenn alle der frustrierten Stimmbürger ihre Protestunterschrift abgeben. Dann nämlich muss abgestimmt werden, um die Deponie endgültig zu begraben.

 

JÜRG HAUSMANN, RHEINFELDEN

 


 

Nach dem Nein ist vor dem Ja

VON THOMAS WEHRLI

 

Dank einem Rückkommensantrag gab es doch noch ein Ja zur Deponie Wäberhölzli. Ein «Buebetrickli»?

 

Den Coup landete Christoph von Büren am Mittwoch kurz nach elf Uhr: Drei Stunden lief die Gemeindeversammlung schon und inzwischen war Traktandum 5, der 30-Millionen-Kredit für die Sanierung und Erweiterung der Schulanlage Engerfeld, durch. Der Präsident der FDP Rheinfelden stand auf und stellte einen Rückkommensantrag auf Traktandum 3, die Deponie Wäberhölzli.

Der Gemeinderat will hier ein acht Hektaren grosses Waldstück roden, die alte Grube mit sauberem Aushub füllen und danach wieder aufforsten. Fast zwei Stunden lang diskutierten die 564 Stimmberechtigten über Sinn und Unsinn – wobei sich die Mehrheit für Letzteres aussprach. In der Abstimmung unterlag der Gemeinderat mit 211:311 deutlich – die Deponie schien beerdigt.

Das klare Resultat kommentierten die Deponie-Gegner mit lautem Applaus und Jubelrufen. Rund 180 von ihnen verliessen daraufhin den Saal; sie waren nur wegen dieses Traktandums gekommen. Viele von ihnen wohnen im betroffenen Gebiet und gehören der IG «Nein zur Deponie Wäberhölzli» an, die von Jürg Keller mit einem einzigen Ziel gegründet wurde: die Vorlage zu bodigen. Als «hoch unanständig» wertete Stadtammann Franco Mazzi das Gebaren, doch machen konnte er gegen den Exodus nichts.

Christoph von Büren nutzte eine Stunde später die Gunst des Momentes und stellte seinen Rückkommensantrag. Nach einer kurzen Irritation stellte Stadtschreiber Roger Erdin klar, dass ein solcher Antrag zulässig sei und darüber abgestimmt werden muss. Er wusste es, weil er in seinem Wohnort Gansingen als junger Stimmbürger eine ähnliche Situation erlebt hat und die Rechtslage deshalb studiert hatte.

 

Buebetrickli oder Lehrstück?

 

Die Sicht von Erdin teilt Martin Süess, Leiter Rechtsdienst in der Gemeindeabteilung. Es gebe zwar keine ausdrückliche Formulierung im Gemeindegesetz. «Doch die Stimmberechtigten haben ein umfassendes Antragsrecht und können uneingeschränkt Rückkommensanträge stellen.» Diese Auffassung stützt auch Andreas Baumann in seinem Kommentar zum Aargauischen Gemeinderecht. Der Rückkommensantrag kam mit 197:137 Stimmen durch.

 

Nach dem ersten Schock sparten die im Saal verbliebenen Deponie-Gegner mit klaren Worten nicht. Von einem «Buebetrickli» war die Rede, einem abgekarteten Spiel, einen Schildbürgerstreich, einem Verstoss gegen Treu und Glauben. «Es ist unfair nach Spielregeln zu spielen, die niemand kennt», monierte ein Stimmbürger. Kaum jemand habe gewusst, dass ein Entscheid mit einem Rückkommensantrag umgestossen werden kann – sonst wären auch die 180 geblieben.

Christoph von Büren verteidigt seinen Antrag am Tag danach. «Wer an politischen Fragen interessiert ist, weiss, dass man einen Rückkommens-antrag stellen kann.» Ihn ärgerte nicht nur der Nein-Entscheid, den er für falsch hält; ihn ärgerte vor allem, dass 40 Prozent der Nein-Stimmenden nach getaner Arbeit die Versammlung verliessen. Es sei nicht das erste Mal, dass dies passiere und es sei an der Zeit gewesen, diesem «absolut unanständigen» Verhalten einen Riegel vorzuschieben. Von Büren gibt denn auch zu, dass es ihm neben der Sache auch darum ging, ein politisches Zeichen zu setzen. Den Vorwurf, die direkte Demokratie mit Füssen zu treten, weist er entschieden zurück. «Demokratie heisst auch, dass man bis zum Schluss bleibt.»

Auf sein «Lehrstück in direkter Demokratie» war von Büren vorbereitet. «Ich hatte damit gerechnet, dass viele den Saal verlassen, und mir den Antrag schriftlich zurechtgelegt.» Wenn nur einige wenige gegangen wären, hätte er den Antrag nicht gestellt. «Ich hoffte sogar darauf.» Dass er mit seinem Vorgehen viele Rheinfelder vor den Kopf stösst und wütend macht, weiss er. Die Gegner hätten nun die Möglichkeit, das Referendum zu ergreifen. «Dann können alle Rheinfelder über dieses wichtige Geschäft abstimmen.»

Dass das Referendum ergriffen wird, ist für Jürg Keller klar. «Ich hole am Freitag die Unterschriftsbogen.» Er werde die benötigten 750 Unterschriften im Nu zusammenhaben. «Die Wut ist gross», sagt er – auch seine. «Ich habe den Zorn wieder gefunden, von dem ich dachte, ich könne ihn im Schrank verstauen.» Für ihn ist der gestrige Akt eine Ohrfeige an die Stimmbürger, ein Ausnützen eines Unwissens – und ein Pyrrhussieg für die FDP und ihren Stadtammann Franco Mazzi. Dass Mazzi in das «Buebetrickli» involviert war, glaubt Keller nicht. «Ich bin kein Freund von Mazzi. Aber das traue ich ihm nicht zu.» Denn das wäre ein Eigentor.

 

Immer wieder hingewiesen

 

Den Vorwurf der Kumpanei weist Mazzi auch energisch zurück. Er habe in den letzten Jahren an Gemeindeversammlungen immer wieder darauf hingewiesen, dass man bis zum Schluss bleiben soll – weil die Möglichkeit, auf ein Geschäft zurückzukommen, bestehe. Dass er diesen Hinweis diesmal nicht machte, sei im Nachhinein gesehen ärgerlich. «Mit einem Szenario, dass derart viele Stimmbürger den Saal verlassen, habe ich nie gerechnet.» Zumal mit der Engerfeld-Vorlage (siehe unten) «das wichtigste Traktandum der letzten 30 Jahre» noch bevorstand.

Der Massenabmarsch ist für Mazzi das eine, die Volksfeststimmung nach dem Nein das andere. «Das hat mich getroffen. Das war absolut daneben.» Keller sieht es anders. Er bezeichnet den Massenexodus, dem er sich ebenfalls anschloss, als «unelegant». Unanständig sei das Verhalten aber sicher nicht, denn man habe stets offen kommuniziert, dass nicht alle bis zum Schluss bleiben können oder wollen. Auch deshalb habe man den Stadtrat gebeten, das Traktandum früh anzusetzen, was dieser dann auch tat.

Dass die Versammlung danach eine derartige Eigendynamik entwickelte, überraschte alle. Auch Stadtschreiber Roger Erdin. «Es ist höchst unerfreulich, was da gestern abgelaufen ist», sagt er und meint damit zweierlei: Den vorzeitigen Abzug der jubilierenden Gegner und die Art und Weise, wie das Ja schliesslich mit 205:132 Stimmen zustande kam. Erdin betont aber auch: «Das Recht liess uns keine andere Wahl. Wir mussten über den Rückkommensantrag abstimmen.»

Auch für Erdin ist klar: Das Referendum kommt. Eine Prognose für die Urnenabstimmung, die voraussichtlich am 6.Juni stattfindet, wagt er nicht. Er weiss aber: «Es wird schwierig, die Deponie durchzubringen.»

Neben dem Referendum haben die Deponie-Gegner die Möglichkeit, eine Beschwerde bei der Gemeindeabteilung einzureichen. Dann prüft der Kanton, ob alles richtig gelaufen ist. Die Aussichten auf Erfolg schätzt Süess nicht als sehr hoch ein. Keller will deshalb lieber «mit schnellen Schritten vorwärtsgehen» – dem Referendum entgegen.

 


 

 

Kommentar

 

Ein trickreiches Lehrstück

VON THOMAS WEHRLI

 

Eine Frage steht nach der turbulenten Gemeindeversammlung im Raum: War es ein «Buebetrickli», den Entscheid gegen die Deponie im Wäberhölzli mit einem Rückkommensantrag zu kippen, oder ein Stück gelebte Demokratie?

 

Es war ein trickreiches Lehrstück in demokratischer (Un-)Kultur in drei Akten. Erster Akt: Die Gegner der Deponie mobilisierten per-fekt; an die 200 Stimmberechtigte kamen nur wegen des einen Traktandums – und verliessen den Saal danach wieder. Solche

Wer-kann-bessermobilisieren-Entscheide dienen der Sache meist wenig. Sie zeigen, dass die direkte Demokratie bisweilen an Grenzen stösst. Zum Glück gibt es das Referendum als Korrektiv. Zweiter Akt: Im Wissen um die Brisanz der Versammlung hätte Stadtammann Franco Mazzi auf die Möglichkeit des Rückkommensantrages hinweisen müssen. Viele kannten diese Spielregel nicht und fühlen sich nun vor den Kopf gestossen. Damit ist niemandem gedient. Dritter Akt: Der Massenabmarsch nach geschlagener Schlacht glich einem Auszug der Gladiatoren. Das war unschön, unnötig – und fatal: Er ermöglichte den Meinungsumschwung im Saal erst.

Wer ging nun als Sieger vom Platz? Niemand – oder alle: Denn nun kommt das Wäberhölzli wohl an die Urne und alle können sich dazu äussern.

 

Die PDF Datei des Originalberichtes in der AZ finden Sie hier


Zuerst Nein, dann Ja zur Deponie

VON VALENTIN ZUMSTEG

 

Rheinfelder Gemeindeversammlung korrigiert sich selber 

 

Die Rheinfelder Gemeindeversammlung hat am Mittwochabend die geplante Deponie «Wäberhölzli» zuerst klar abgelehnt. Eine Stunde später kommt die Versammlung auf den Entscheid zurück und heisst das Geschäft gut. Das letzte Wort ist damit aber

noch nicht gesprochen.


RHEINFELDEN. Diese Gemeindeversammlung wird noch lange zu reden geben: Zuerst lehnten die Stimmbürger, 564 von 7497 waren zu Beginn anwesend, nach eingehender Diskussion die geplante Deponie für Aushubmaterial im Gebiet «Wäberhölzli» mit 311 Nein gegen 211 Ja deutlich ab. Sie wollten nicht, dass acht Hektaren Wald gerodet und eine ehemalige Kiesgrube nun voll-ständig aufgefüllt wird. Ein grosser Teil der Bürger, der nur für dieses Traktandum gekommen war, verliess nach dem Entscheid den Saal. Sie hatten scheinbar erreicht, was sie wollten. Die übrigen Geschäfte schienen sie nicht zu interessieren. «Das ist hoch unanständig, was Sie machen», sagte Stadtammann Franco Mazzi dazu. Doch er musste sie ziehen lassen. Anschliessend wurden weitere Traktanden behandelt.

 

Der Paukenschlag nach 23 Uhr

 

Um kurz nach 23 Uhr folgte der Paukenschlag: Christoph von Büren stellte im Namen der FDP einen Rückkommens-Antrag auf den Entscheid zum «Wäberhölzli». Er ärgerte sich darüber, dass die Diskussion zuvor «einseitig» abgelaufen sei und die Gegner aus dem

betroffenen Quartier dominiert hätten. Ebenso ärgerte er sich, dass viele Stimmbürger die Versammlung bereits verlassen hatten. Gemäss Stadtschreiber Roger Erdin ist ein Rückkommens-Antrag zulässig: «Die Gemeindeversammlung kann bis am Schluss auf

einen zuvor gefällten Entscheid zurückkommen.»

Der Rückkommens-Antrag der FDP wurde mit 197 zu 137 Stimmen gutgeheissen. Damit war wieder alles offen und die Diskussion begann von neuem. Diesmal allerdings mit zusätzlicher Schärfe. Sie drehte sich auch kaum mehr um das «Wäberhölzli», sondern

um das Vorgehen: «Das geht gegen mein Demokratieverständnis. Ich verlange eine rechtliche Prüfung», sagte ein Votant. «Das sieht wie ein abgekartetes Spiel aus», meinte eine Stimmbürgerin. «Das ist ein Verstoss gegen Treu und Glauben», war weiter zu

hören, ebenso «Bubentrickli» und «Schildbürgerstreich». Anderer Meinung war Christoph von Büren: «Das ist direkte Demokratie. Wenn man die Versammlung vor dem Schluss verlässt, ist man selber schuld.» Diese Meinung teilten zahlreiche weitere Stimm-bürgerinnen und Stimmbürger. 

Nach der turbulenten Diskussion folgte die Abstimmung: Im zweiten Anlauf – bei deutlich gelichteten Reihen – gab es 205 Ja gegen 132 Nein zur Nutzungsplanung «Wäberhölzli». Damit hat die Gemeindeversammlung die Voraussetzung für die Rodung von acht

Hektaren Wald und die Deponie von Aushubmaterial in diesem Gebiet geschaffen. Nach der Auffüllung des Areals soll es re-kultiviert und Teil eines Eichenwaldreservats werden. Doch das letzte Wort ist in dieser Sache noch nicht gesprochen. Es wird voraussichtlich ein Referendum gegen diesen Entscheid geben. Im Hinblick darauf stellte Markus Thüer vom Natur- und Vogel-schutzverein einen weiteren Antrag. Dieser verlangt, dass der Stadtrat zu prüfen hat, ob die Einwohnergemeinde der Ortsbürger-gemeinde einen allfälligen Ertragsausfall aus einer möglichen Ablehnung der Restauffüllung «Wäberhölzli» ersetzen kann, um so das Eichenwaldreservat zu ermöglichen. Dieser Antrag wurde mit grossem Mehr angenommen. Der Stadtrat muss an der Sommergemeinde 2016 Bericht erstatten und allenfalls einen Antrag unterbreiten.

«Das war die schwierigste Gemeindeversammlung, die ich je geleitet habe », sagte ein sichtlich abgekämpfter Stadtammann kurz nach Mitternacht.



«Das ist zulässig»

 

RHEINFELDEN/AARAU. Darf eine Gemeindeversammlung einen zuvor gefällten Entscheid kippen? «Ja, das ist zulässig», erklärt Martin Süess, Leiter des Rechtsdienstes in der kantonalen Gemeindeabteilung. «Es ist zwar nirgends ausdrücklich geregelt, der Aargau kennt aber ein umfassendes Antragsrecht.» Deswegen könne die Versammlung auf zuvor gefällte Entscheide zurück-kommen. «Eine Beschwerde hätte keine grosse Aussicht auf Erfolg », so Süess. Gar nicht zufrieden mit dem Verlauf der Gemeinde-versammlung ist Jürg Keller von der «IG Nein zur Deponie Wäberhölzli.» «Dieses Vorgehen ist unfair. Es gibt ältere Leute, die nicht bis Mitternacht bleiben können. Ich musste auch nach Hause, wegen dem Hund», so Keller. Die IG werde das Referendum er-greifen. Damit es zustande kommt, braucht es rund 750 gültige Unterschriften. (vzu)

 

 

Kommentar

 

Keine Sternstunde 

 

Was für ein Abend: Die Rheinfelder Gemeindeversammlung wirft einen zuvor gefällten Entscheid nach nur einer Stunde wieder um. Dies nachdem ein grosser Teil der ursprünglichen Versammlungsteilnehmer den Saal verlassen hat. Rechtlich scheint dies

zulässig, bis zuletzt kann die Versammlung auf ihre Entscheide zurückkommen. Elegant ist es aber nicht. Es ist allerdings auch nicht die feine Art, wenn Stimmbürger die Versammlung verlassen, sobald das Geschäft behandelt ist, das sie interessiert. FDP-Präsident Christoph von Büren hat genau dies erwartet und deswegen am Mittwoch zu später Stunde seinen Rückkommens-Antrag gut vorbereitet vorgetragen. Mit Erfolg, wie sich zeigt. Wie nachhaltig dieser Erfolg sein wird, muss sich weisen. Es bleibt ein  Nach-geschmack. Immerhin: Jetzt wird von den Gegnern der Deponie das Referendum ergriffen. Kommt es zustande, können alle Stimm-bürgerinnen und Stimmbürger an der Urne über das Geschäft entscheiden. Und: Einen gewissen erzieherischen Effekt kann man der Sache nicht absprechen. Künftig wird es sich jeder Stimmbürger wohl zwei Mal überlegen, ob er nicht doch bis zum Schluss der Gemeindeversammlung bleiben soll.

VALENTIN ZUMSTEG

valentin.zumsteg@nfz.ch

 

Die PDF Datei des Originalberichtes in der NFZ finden Sie hier

Online-Kommentare zum Geschehen an der Gemeindeversammlung in der NFZ



















<-- Das sagt alles!


Nein zur Rodung von 12 Fussballfeldern Wald

 

Rheinfelden besitzt Wald, dieser ist für viele Menschen ein wertvolles Erholungsgebiet. Gerade in dieser hektischen Zeit ist es ein Ort, um zur Ruhe zu kommen und abzu-schalten. Für viele Joggerinnen und Jogger ein Ort, um sich an der frischen Luft sportlich zu betätigen. Der Wald ist auch für viele Hundebesitzerinnen und Hundebesitzer mit ihren Hunden ein wichtiger Teil ihres Alltages und eine Begegnungszone. Auch für viele Tiere ist der Wald ein Zuhause. Jeder einzelne Baum ist ein Lebensraum für viele Tiere, welche auf ihm leben und zudem ist er ein wichtiger Sauerstofflieferant.

Überall auf der Welt werden täglich unglaubliche Flächen wertvollen Waldes zerstört, nur um des Geldes willen. Hier in Rheinfelden soll das nicht sein. Ganz nach dem Motto, Rheinfelden lebenswert, liebenswert, lieben wir unseren gesunden Wald und möchten ihn auch so behalten wie er ist.

Darum Nein zur Rodung von 12 Fussballfelder Wald in Rheinfelden, dem Wäberhölzli.

 

Sabine Jäggi, Rheinfelden

9. Dezember 2915


Guten Tag

Seit ein paar Wochen wohnen wir in der Lindenallee in der neuen Überbauung unterhalb der REHA. Wir geniessen die Nähe dieses schönen Waldes und die tollen Spaziergänge, die für jedermann zu bewältigen sind.

Sehr schade, wenn da abgeholzt würde.

MFG

V. Schib


(eingegangen über www.waeberhoelzli.ch am 03.12.2015)


«Energiestadt» Rheinfelden und die Rodung des Wäberhölzlis –

Zur Problematik der Rodung-Deponie-Wiederaufforstung im Wäberhölzli 

 

Rheinfelden lässt sich vom Widerspruch zwischen Eigenwerbung und Eigenleben wenig beeindrucken. Dass das Logo «Lebenswert. Liebenswert» ziemlich genau nicht zur Rodung des Wäberhölzlis passt, wurde zur Genüge herausgestrichen. Aber Rheinfelden schmückt sich auch mit den Titel einer «Energiestadt». Auch dies passt nicht zur geplanten Abholzung.

Im Wäberhölzli stehen im Mittel 35-jährige Bäume, die am Anfang einer kräftigen Wachstumsphase stehen, mit der sie in den nächsten 60 Jahren nutzbare Holzstämme bilden werden. Bis jetzt haben sie sich relativ langsam ihre etwa 12 bis 15 Meter hohen Stämmchen gebaut. Dies geschah mit dem Prozess der Photosynthese (Sonnenlicht wird dabei u.a. in Holz umgewandelt). Diese Umwandlung spielt sich nur in den grünen Blättern ab. Je mehr Blätter also, desto mehr Holzproduktion. Jetzt sind die Blattmassen im Wäberhölzli so gross geworden, dass sie den Stamm rasch in die Breite  und Höhe treiben können. Und exakt in dieser Phase will man nun zur Rodung schreiten: Die jetzigen Stämmchen sind jetzt stark genug, um eine grosse Blattmenge zu tragen, aber sie sind noch wenig massig. Sie können also nur als wenigwertiges Stangenholz genutzt werden. Aus ihnen würden aber in einem halben Jahrhundert prächtige Baumstämme heranwachsen.

Weil das geplante Eichenwäldchen wieder von vorne beginnen müsste – mit nur 70 cm hohen Schulpflanzen –, würde es erst in etwa 50 Jahren dort ankommen, wo das Wäberhölzli jetzt steht. Die beabsichtigte Rodung würde also nahezu ein halbes Jahr-hundert photosynthetischer Energiespeicherung vernichten (zusätzlich ist Holz ein Depot für  das Klimagas Kohlendioxid: die Rodung würde also auch diese Funktion unterbrechen).

Am Schluss bleibt nur die tiefe Verwunderung über die ständig wiederholte Behauptung, Rodung, Deponie und Wiederaufforstung ergäben einen Mehrwert an Natur! Man muss schon sehr gläubig sein, um auf diesen Leim zu kriechen. Hier liegt ein Natur-Begriff zugrunde, den man bereits in den Nachbargemeinden Rheinfeldens nicht mehr versteht.

Aber vielleicht ist das mit der «Energiestadt» auch nicht so genau gemeint – etwa gleich wie das mit dem «lebens- und liebenswerten» Rheinfelden: Zwar nett erfunden, aber ohne Relevanz!


Jürg Keller, Rheinfelden

02.12.2015




«Projektitis»


 Bei den Behörden von Rheinfelden grassiert seit längerem eine eigenartige Krankheit genannt «Projektitis». Am Laufmeter wurden und werden Projekte aufgegleist, Kredite gesprochen, von früheren Gemeindeversammlungen durchgewinkt oder sie sind in der Warteschlaufe für die nächste Versammlung am 9. Dezember. Das besondere Merkmal dieser ansteckenden Krankheit ist, dass von den vielen in letzter Zeit abgesegneten Projekte mit hohem Investitionsbedarf bis anhin kein einziges Vorhaben realisiert wurde. Als Beispiel seien genannt: Kreisel nach der Bahnunterführung, moderne Ampelsteuerung beim alten Coop, Sanierung der Roberstenstrasse. Und schon wird wieder geplant und Kredite werden nachgesucht: Sanierung und Erweiterung des Schulhauses Engerfeld, hier besteht zum Glück ein Rückweisungsantrag der Geschäftsprüfungskommission (GPK), Neugestaltung der Herrmann-Keller-Strasse usw.

Und natürlich die geplante «Deponie Wäberhözli». Dieses unsinnige Projekt, welches unseren Wald und die erholsamen Spazier-wege für Jung und Alt auf viele Jahre hinaus verschandeln und beeinträchtigen wird. Dafür gibt es leider keine GPK. Dafür aber viele Einwohner, die gemäss dem Rheinfelder Slogan «Liebenswert / Lebenswert» alles daran setzen, dass dieses Projekt an der kommenden Gemeindeversammlung vom 9. Dezember nicht einfach wieder durchgewinkt wird.

Jede Stimme zählt, auch die Ihrige. Merken Sie sich das Datum und nehmen Sie bitte teil.


Jürg Hausmann, Rheinfelden

02.12.2015


Für das Wäberhölzli


Vor 50 Jahren erlebte ich als Jugendliche die Ausbeutung und Aufschüttung vom Wäberhölzli verbunden mit viel Lastwagenverkehr für das ganze Quartier. Vor 30 Jahren erlebte meine Familie auf zahlreichen Spaziergängen das Wachsen der jungen Bäume, einige schneller (Fichten zum Beispiel 37 Zentimeter pro Jahr). Wir beobachteten auch Rehe, Füchse, manchmal Hasen und viele Vögel. Jetzt soll dieses ganze Waldstück im besten Wachstum gerodet werden und zehn Meter aufgeschüttet werden. Das heisst mehrere Jahre wieder Lastwagenverkehr. Als Ersatz soll ein «hochwertiger» Eichenwald gepflanzt werden. Eichen wachsen laut Wikipedia die ersten 5 Jahre 50 cm pro Jahr. Die folgenden Jahre 4 Centimeter das heisst also nach 10 Jahren misst eine Eiche gut 2,50 Meter, nach 20 Jahren 3 Meter, nach 30 Jahren 4 Meter, nach 50 Jahren 4,50 Meter. Wie viele Jahre müssen wir warten, bis im Wäberhölzli wieder ein richtiger Wald steht? Wie viel Lärm müssen wir in den nächsten Jahren erwarten?

Deshalb stimme ich an der Gemeindeversammlung am 9. Dezember Nein.


ROSEMARIE HENZ TREIER, RHEINFELDEN

1.12.2015


 

Das Wäberhölzli muss bleiben!

 

Ers wurde schon so viel über das Wäberhölzli geschrieben. Und doch habe ich noch ein Argument, das gegen die Abholzung spricht. Das Bauvolumen in Rheinfelden ist praktisch ausgeschöpft. Das heisst, dass in Rheinfelden praktisch kein Aushubmaterial mehr anfällt.

Es kann doch nicht sein, dass wir für auswärtige Baustellen eine gesunden8 Hektaren grossen Wald roden, damit diese ihren Bauschutt bei uns deponieren können. Gegen die Rodung in den Regenwäldern setzen wir uns ein, aber vor der eigenen Haustüre lassen wir einen massiven Einschnitt in ein intaktes Ökosystem zu.

Ich finde, das ist doch ein absoluter Verhältnisblödsinn. Wo bleibt da der gesunde Menschenverstand?

Deshalb bitte ich Sie, das Wäberhölzli mit einem Nein zur Rodung zu retten.

 

Eduard Fischler, Rheinfelden

25.11.2015




Ein Unding

 

In den vergangenen Wochen und Monaten ist zum Wäberhölzli schon alles gesagt und geschrieben worden. Trotzdem noch einmal: Es ist ein Unding, einen so schönen gesunden

30-jährigen Wald so nahe an der Reha-Klinik, an Wohnsied-lungen Alte-Saline und Theodorshof abzuholzen und damit die Patienten der Klinik, die Wohnbevölkerung und Erholungs-suchenden zu brüskieren. Das ist unverantwortlich und kann

nicht unterstützt oder hingenommen werden. Man fragt sich, was geht wohl in den Köpfen dieser Menschen vor, die solches Vorhaben unterstützen. Ruft da wohl der Mammon? Kann man mit dieser Aktion viel Geld verdienen oder an Macht gewinnen?

Die Leute, die solches Vorgehen befürworten, wohnen meist nicht in der näheren Umgebung und nutzten wohl den wunderschönen Wald nicht als Erholungsgebiet.

Enttäuscht sind wir vor allem, dass einige Vertreter vom Stadtrat, warum auch immer, dieses Projekt unterstützen. Wir fragen uns, ob es nicht an der Zeit wäre, diejenigen im Stadtrat zu ersetzten, damit auf die Bedürfnisse aller Steuerzahler von Rheinfelden Rücksicht genommen wird. (Muss eventuell ein Gemeinderat gewählt werden?) Wir wollen künftig weder Dreck, Lärm noch

sonstige Belästigungen ertragen, jedoch das Wäberhölzli weiterhin als Erholungsraum nutzen.

Darum bitte am 9. Dezember im Bahnhofsaal ein kräftiges Nein zur Rodung.

 

BERND VOLKMER, RHEINFELDEN

24.11.2015


Nein zur Abholzung im Wäberhölzli

 

Die Gemeinde Rheinfelden will ein 8 Hektaren grosses Waldstück abholzen lassen. Dort soll eine Deponie für Bauaushub entstehen. Auf einer Fläche von 80'000 Quadrat-metern, das entspricht zwölf Fifa-Fussballfeldern, werden gesunde Bäume gefällt und Pflanzen zerstört. Wertvoller Lebens- und Schutzraum für Wildtiere und ein Naher-holungsgebiet für den Menschen gehen verloren!

Das Projekt dauert über 5 Jahre. Hunderte von Lastwagen karren während dieser Zeit durch den Wald. Allein beim Gedanken an diese mutwillige Zerstörung intakter Natur blutet mir das Herz.

Was macht das alles für einen Sinn? Gibt es einen vernünftigen Grund, dieses Projekt zu realisieren? Gäbe es nicht umweltver-träglichere Varianten für eine Deponie? Wir sollten den Wald im Wäberhölzli achten, schützen und respektvoll mit ihm umgehen, nur so bleibt er uns in seiner Schönheit noch ewig erhalten.

Deshalb stimme ich am 9. Dezember an der Gemeindeversammlung Nein zur Abholzung im Wäberhölzli.

 

Denise Romann, Rheinfelden

19.11.2015

 

 

Der Wald muss bleiben

 

Unser Wald muss bleiben, deshalb am 9. Dezember um 20 Uhr in den Bahnhofssaal Rheinfelden gehen. Bitte tragen Sie sich, als stimmberechtigte Person in Rheinfelden, diesen wichtigen Termin in Ihre Agenda ein und nehmen Sie an der Abstimmung teil! Es geht um sehr viel Naturfrevel! Es geht um den Wäberhölzli-Wald, der der Spitzhacke zum Opfer fallen soll. Ein brachialer Eingriff der Gemeindeverantwortlichen, die von einer nicht nachvollziehbaren Gefühlskälte gepackt sind, denn die Tiere im Wald haben keine Lobby, die für sie das Wort ergreift. Nicht mal der Natur- und Vogelschutzverein Rheinfelden, der diesen Raubbau an der gesunden und über Jahre gewachsenen Natur unterstützt. Ein absolutes No go! Wir erlauben uns mahnend den Zeigefinger zu erheben gegen die Rodungsaktionen in den Regenwäldern Sumatras, Borneos, Brasiliens. Aber ist die Gemeinde Rheinfelden nicht Schandfleck genug, wenn man über 8 Hektaren Wald vernichtet? Vor ein paar Jahren wurde dieses Gebiet noch prämiert für den vielgepriesenen Waldlehrpfad. Davon ist nichts mehr übrig, weil alles auf "Rodung" ausgelegt ist. Doch, Gott lob, leben wir in einer Demokratie und der Bürger entscheidet!

 

Axel Pierach, Rheinfelden

19.11.2015

 


Wäberhölzli in Rheinfelden: Nein zur Rodung


In den vergangenen Wochen und Monaten ist zum Wäberhölzli schon alles gesagt und geschrieben worden. Trotzdem noch einmal: Es ist ein Unding, einen so schönen, gesunden 30-jährigen Wald so nahe an Reha-Klinik, Wohnsiedlungen Alte Saline und Theodorshof abzuholzen und damit die Patienten der Klinik, die Wohnbevölkerung und Erholungsuchenden zu brüskieren. Das ist unverant-wortlich und kann nicht unterstützt und hingenommen werden. Man fragt sich, was geht wohl in den Köpfen dieser Menschen vor, die solches Vorhaben unter-stützen. Ruft da wohl der Mammon? Kann man mit dieser Aktion viel Geld ver-dienen und Macht gewinnen? Die Leute, die solches Vorgehen befürworten, wohnen meist nicht in der näheren Umgebung und nutzen wohl den wunder-schönen Wald nicht als Erholungsgebiet. Enttäuscht sind wir vor allem, dass einige Vertreter des Stadtrats, warum auch immer, dieses Projekt unterstützen. Wir fragen uns, ob es nicht an der Zeit wäre, diejenigen im Stadtrat zu ersetzen, damit auf die Bedürfnisse aller Steuerzahler von Rheinfelden Rücksicht ge-nommen wird. (Muss eventuell ein Gemeinderat gewählt werden?)

Wir wollen künftig weder Dreck, Lärm noch sonstige Belästigungen ertragen, jedoch das Wäberhölzli weiterhin als Erholungsraum nutzen. Darum bitte am 9. Dezember im Bahnhofsaal "ein kräftiges Nein zu Rodung".


B. und E. Volker, Rheinfelden

18.11.2015



Das "Wäberhölzli" soll bleiben wie es ist


An der Gemeindeversammlung vom 9. Dezember wird unter anderem über die geplante Deponie "Wäberhölzli" und die naschfolgende zweite Wiederaufforstung "auf höherem Niveau" diskutiert und abgestimmt. Natürlich müssten vor einem Eingriff in die Natur dieses rund 35 Jahre alten Waldstücks, das seinerzeit anstelle der ehemaligen Kiesgrube gepflanzt worden ist, sämtliche Bäume verschwinden, damit all die Last-wagen und Planierungs-Bulldozer sich frei bewegen und ihren Schutt abladen und verteilen könnten. Und das während rund fünf Jahren.

Dazu einige Informationen zum besseren Verständnis der topographischen Gegeben-heiten dieses Geländeabschnitts und der geplanten Veränderungen: Vor rund 12'000 Jahren, als die letzte Eiszeit zu Ende ging und die gewaltigen Eismassen, die das ganze Mittelland bedeckten, zu schmelzen begannen, führte der Hochrhein lange Zeit ein Mehrfaches an Wasser mit sich. Die Rheinufer lagen höher, waren steiler als heute und sind noch heute deutlich sichtbar, zum Beispiel zwischen Wallbach und Kaiseraugst, wo sie meist die gleichen Namen tragen: "Holden" oder "Halden" (Ober- und Unterforst in Möhlin, in Rheinfelden Spitalhalde als Fortsetzung der Halde im Wäberhölzli und die Weiherhalde). Alle diese "Halden" sind ohne menschliches Dazutun entstanden, zum Teil aber überbaut oder sonst wie genutzt worden - eben in Kiesgruben - wo diese Niederterrassen-Schotteransammlungen abgebaut werden. Diese natürliche Gelände-Struktur soll nun im "Wäberhölzli" beseitigt werden, indem man die Halde bis zum oberen Rand mit Abraum auffüllt, um so mit einer vermehrten Deponie-Abgeltung einen grösseren Gewinn zu erzielen. Dafür wird der jetzige, schön gewachsene Wald gerodet und, wie ich aus dem ganzen Vorgehen schliessen muss, der ganze Abhang überdeckt und verflacht.

Offenbar geht es bei dem vorgesehenen unnötigen Kahlschlag und der erneuten Wiederaufforstung in erster Linie um Geld und weniger um das Wohl der Natur und der Erholung suchenden Menschen. Die heutige Erholungslandschaft ist, wie auf den Hinweis-tafeln am waldnahen Flossländeweg steht, ein "Walderlebnis" par excellence sowohl für die Stadtbewohner wie auch für die nahen Reha-Patienten und Kurgäste in den Hotels und im Kurzentrum.

Was braucht es da noch jahrelange Umstrukturierungen und Umtriebe mit viel Lärm, Staub und Abgasen, die unsere Gesundheit und Lebensqualität jetzt schon bedrohen? Am 9. Dezember stimme ich deshalb aus Überzeugung "Nein".


Anton Meister, Rheinfelden

17.11.2015


 Deponie Wäberhölzli inmitten eines intakten Waldes


Ich bin in Rheinfelden aufgewachsen und habe in fast 50 Jahren viele positive Entwicklungen erlebt. Die Behörde und die Kommissionen der Stadt Rheinfelden haben vorausschauend wichtige Weichenstellungen zur gesunden, wirtschaftlichen Entwicklung der Stadt Rheinfelden ausgelöst. 

Seit mir bewusst wurde, welchen Plan die Gemeinde mit dem gesunden Wald im Wäberhölzli vorantreibt, habe ich mich aufgerafft, die Meinungen und Fakten etwas genauer zu studieren.

Bisher konnte ich kein plausibles Argument dafür finden, welches die schnelle Rodung dieses gesunden Waldes rechtfertigt. Sind es wirklich die wirtschaftlichen Interessen oder eine Kombination von diversen Interessen? Ein vor 40 Jahren fachmännisch aufgeforsteter Wald zu roden, um eine Deponie einzurichten, passt so nicht zu unserem Leitbild der Stadt "Lebenswert. Liebenswert". Wer in diesem Wald spazieren geht und sich die Zeit nimmt, der Natur zuzuhören, spürt die Ruhe und die Lebensqualität für Mensch und Tier. In den letzten Jahren haben wir viele grosse Baustellen zusammen erduldet, um von einer besseren Infrastruktur profitieren zu können.

Die gesunden Bäume im Wäberhölzli sowie die heimischen Tiere rufen nicht nach einer Deponie, sondern rufen uns Bürger auf, dieses Naherholungsgebiet einfach zu schützen für eine lebenswerte Stadt.

Ich gehe am 9. Dezember an unsere Gemeindeversammlung, um dem Wald sowie der Natur eine Stimme zu geben, also Nein zu Deponie stimmen.

 

Hanspeter Wäspi, Rheinfelden

17.11.2015

 

(Bild: Martin Mecnarowski)


Vandalismus im grossen Stil

 

An der Gemeindeversammlung vom 9. Dezember 2015 stimmen wir Stimmbürger von Rheinfelden über die Deponie 'Wäberhölzli' ab. Mit unseren Nein-Stimmen wollen wir verhindern, dass über viele Jahre hinweg nicht nur Schutt mit Getöse und Staub herangekarrt und abgeladen wird, sondern auch unsere Waldspazierwege gesperrt werden.

Welches sind die Folgen dieser schicksalshaften Abstimmung?

Mit einem'Ja' würde viel Geld in die Kassen der an sich schon reichen Waldbesitzerin gespült. Mit einem wuchtigen 'Nein' hingegen wird sichergestellt, dass uns das Wäber-hölzli als beliebtes Naherholungsgebiet erhalten bleibt. Dies nicht nur zur Freude der Spaziergänger, sondern auch der engagierten Anhänger einer intakten Natur und des Wildschutzes. Mit unseren Nein-Stimmen können wir verhindern, dass es zu Waldfrevel und Vandalismus im grossen Stil kommt. Vandalen zerstören meist mutwillig und punktuell Einrichtungen, welche dem Wohle der Allgemeinheit dienen. Bei der von den Behörden projektierten Deponie m Wäberhölzli hingegen handelt es sich um einen frevlerischen Zerstörungsakt im grossen Stil, der von unseren Behörden gegen jeden gesunden Menschenverstand geplant wurde. Man sollte meinen, dass solche Amts-stellen der Allgemeinheit dienen müssten und nicht irgendwelchen Partikular-interessen.

Opfern Sie einen gemütlichen Abend zuhause und nehmen dafür ausnahmsweise an der Gemeindeversammlung vom

9. Dezember teil und stimmen Sie gegen die von den Behörden geplante Deponie Wäberhölzli.

 

Jürg Hausmann, Rheinfelden

12.11.2015


 

IG  „NEIN zur Deponie im Wäberhölzli“                                                                                                                                   8. November 2015

Jürg Keller

Alte Saline 8

4310 Rheinfelden

061 831 21 05

 

 


WWF Aargau

Frau Tonja Zürcher

Pfrundweg 14

5000 Aarau

 

 

Zum ökologischen Wert des Wäberhölzlis in Rheinfelden

(bezugnehmend auf unser telefonisches Gespräch vom 4. November)

 

 Sehr geehrte Frau Zürcher,

 

wie versprochen will ich Ihnen hier das ökologische Potential des von einer Deponie bedrohten  Wäberhölzlis (= Rekultivierungswäldchen I, RK1) skizzieren. Dabei nehme ich Bezug auf das auf der Deponieschicht geplante Eichenwäldchen (= Rekultivierungswäldchen II, RK2).

 

Ausgeblendet werden sollen hier die eigentlichen Motive der Rodung:  die  Deponiegebühren, die (nicht existente) Deponienotwendigkeit, und der ökologische Ablasshandel mit den Eichenreservaten. Ebenfalls nicht ausführlich eingegangen werden soll hier auf die sozialen Unkosten des Projektes: Sperrungen im Naherholungsgebietes. Lärm, Staub, ästhetische Verluste über fast ein halbes Jahrhundert hinweg

 

1. Geschichte des Wäberhölzlis


In den 60er Jahren des 20. Jhdts. begann der Kiesabbbau im Wäberhölzli: mehr als 2 Mio Kubikmeter wurden der Grube allein für die Bölchenautobahn entnommen.Dem Abbau folgte die Deponie: abgelagert wurde „sauberes“ Aushubmaterial (durch Untersuchungen ist dies bestätigt).


In den 80er Jahren wurde die Deponie geschlossen. Dazu gibt es zwei Versionen: Offiziell wird angeführt, es sei zu wenig Aushubmaterial verfügbar gewesen. Der damalige Grubenbetreiber (Anton Hasenböhler )wollte aber höher füllen (folglich war Aushubmaterial verfügbar), man hat ihm dies aber explizit nicht erlaubt. Der damalige Kreisförster Vogel hat beim heutigem Niveau (und damit der Wannenform des nicht benutzten „Restes“) bewusst an die Vielfalt der ökologischen  Nischen gedacht.


Die Deponieschicht wurde mit dem Waldboden, der vor dem Kiesabbau abgestossen wurde, wieder bedeckt und gemäss den Vorgaben des Kreisförsters  von Rheinfelden aufgeforstet (standortgerechter Mischwald). Diese Aufforstung wurde als Definitivum angelegt. Niemand wollte oder dachte an eine spätere „Restfüllung“ (bestätigt vom Stadtförster)

 

2. Der jetzige Zustand

 

Das jetzige Wäberhölzli ist im Durchschnitt 35 Jahre alt, die Bäume dürften eine Durchschnittshöhe zwischen 12 und 16 Metern haben. Sie wurzeln solide im Untergrund (von Stadtförster Kurt Steck kürzlich geprüft).


Das Wäldchen zeigt eindeutige Pflegemängel: Die Bäume stehen zu dicht, der japanische Knöterich  und Brombeeren wurde nicht bekämpft  (vermutlich wegen der Rodungsabsicht). Dieser Mangel wird nun oft zum Argument für die Minderwertigkeit des Wäberhölzlis gemacht, die Ursache wird also zur Wirkung befördert.


Das ökologische Potential der Geländewanne kann sich  deswegen nicht voll entfalten: Der Untergrund erhält beispielsweise zu wenig Licht, dadurch fehlen die sog. seltenen Pflanzen (was wiederum zur Begründung der Rodung angeführt wird). Seltene Pflanzen brauchten aber bei einer Neuforstung auch  sonst ziemlich viel Zeit zu ihrer Ansiedlung: schliesslich ist die Umgebung des Wäberhölzlis botanisch nicht besonders reichhaltig.


Die logischen Bocksprünge sind  nicht nur bei den seltenen Pflanzen auszumachen: Weil der Waldboden stellenweise wenig mächtig ist und einige Bäume dünn und lang sind, wurde auch vom projektierenden Ingenieur die Meinung vertreten, die Bäume seien dünn und lang, weil der Boden so dünn sei.


Das Positive bei den heutigen Diskussionen ist aber dies: Der Minderwert des Wäberhölzlis ist kein Argument mehr in der Deponiefrage. Herr Steck bestätigt nun regelmässig meine Argumente in der „Einwendung“ zum (teilweise fachlich bedenklichen) Vorprüfungsbericht.


Was aber gut funktioniert im Wäberhölzli:  Die Blattmasse der Jungbäume ist teilweise enorm: Die Photosynthese dürfte nahe bei ihrer optimalen Leistung angekommen sein. Dazu trägt sicher  auch die relative Bodenfeuchte in der Wanne bei, was in diesem Hitzesommer besonders wichtig war (Herr Bucheli von Meteo-Schweiz meint übrigens, dass solche Hitzeperioden eher zur Regel als zur Ausnahme werden – was für die Wannenform des Wäberhölzlis spricht und in keinem Bericht zur Rodung berücksichtigt wurde).

 

Künftig dürfte das – wie Sie am Telefon meinten – „gewöhnliche“ Baumsortiment des Wäberhölzlis durch seine ökologische Elastizität durchaus vorteilhaft sein.


Was ebenfalls gut funktioniert sind die Suhlplätze für Wildschweine und die Fuchsbauten im südlichen Steilhang. Und was gerne übersehen wird: Das Wäberhölzli ist eine Ruheinsel: Nachts wird es kaum von Fussgängern durchquert. Frühmorgens aber begegnet man ständig Rehen aller Altersklassen, die offensichtlich die Nacht in diesem Ruhebecken verbracht haben. Die nächsten Grillplätze mit ihrer sommerlichen Lärmproduktion sind in der Wanne gut abgeschirmt. Dass es vielen Vogelarten (natürlich nicht der seltene Mittelspecht, aber auch der Pirol ist bedeutsam) in dieser Oase wohl ist, kann man jedenfalls gut hören.


Eine Geländewanne im flachen und damit botanisch eher langweiligen Gelände nahe des Rheins müsste eigentlich ein gefundenes Fressen für Naturschützer sein. Hier könnten ökologische Nischen in Vielzahl nutzbar gemacht werden, sofern man dem Standort eine minimale Pflege gönnte.


Man hat in der Umgebung des Wäberhölzlis entsprechenden Anschauungsunterricht: etwa 200 m SW des Kraftwerks Ryburg-Schwörstadt  (auf der CH-Seite) findet sich eine nicht gefüllte Kiesgrube, also auch eine Wanne: Ich habe im Frühsommer die Artenvielfalt studiert: für unsere Gegend ist sie enorm. Man sieht aber auch Stellen, bei den man ein bisschen eingreifen sollte, um die Nischen zu sichern. Das Erstaunliche: Diese Wanne gehört zu Rheinfelden, das noch Erstaunlichere: die Wanne ist ein Naturschutzgebiet, das zu Befürchtende: Die Ortsbürger lassen diese Wanne nach der Füllung des Wäberhölzlis auch noch füllen, das Sichere: Alle kantonalen  Stellen und Naturschutzvereinigungen würden auch das eine gute Idee finden.


Der Teich:

Für das RK2 sind mehrere künstliche Teiche vorgesehen, die als Argument für den Mehrwert angeführt werden.


Durch die Rodung  muss auch ein kleiner Waldteich auf der Westseite  des RK1entfernt werden.

Auch dies findet grosse Beachtung im Vorprüfungsbericht. Waldteiche sind aber eine heikle Sache: Sie brauchen einen grossen waldfreien Gürtel, u.a. um nicht rasch vom Herbstlaub eutrophiert zu werden. Wie ein solcher Gürtel auszusehen hätte, sieht man im Breitsee (risseiszeitliche Wanne, NNE Möhlin).

 

Für diesen waldfreien Gürtel fehlt im Wäberhölzli der Platz. Man sollte deshalb auf  solche Teiche verzichten. Dafür spricht auch die mangelnde Vernetzung: Die geplanten Teiche in RK2 sind isoliert  und deshalb biologisch problematisch. Dazu kommt die Sommerhitze, die zu langen Austrock-nungsphasen führt (es sei denn, man fülle die Teiche mit hochgepumptem Rheinwasser). Biologisch sinnvoll sind deshalb in diesem Gebiet nur Feuchtstellen, wie etwa die erwähnten Suhlen.


Auch dazu gibt es auch Anschauungsunterricht in der Nähe: Bei der Mündung des Möhlinbaches wurde ein vielseitiges Naturschutzgebiet mit einigen kleinen Teichen realisiert. Diese sind aber nicht nur untereinander, sondern auch mit einem grossen Teich und dem Bach venetzt. Damit lässt sich ein tragfähiges und stabiles Ökosystem einrichten.

 

3. Kurzer Vergleich von RK1 und RK2


Das geplante Eichenwäldchen (RK2) ist publikumswirksam und ökologisch bedenklich:


Die Künstlichkeit der Teiche wurde schon erwähnt, die Eichen sind nicht eigentlich standortgerecht, weil dort ein Buchenwald natürlich wäre.  Das Relief ist naturgemäss ärmer und der Boden schlechter: RK1 steht auf dem ursprünglichen Waldboden, für RK2 ist eine herangekarrte Humusschicht vorgesehen (Waldboden ist nicht erhältlich).


Es ist allgemein bekannt, dass sich Förster über den Stickstoffeintrag durch  Ammoniak aus Güllengas beklagen, weil ein zu grosser Stickstoffgehalt das Baumwachstum behindert. Die Landwirtschaftsböden sind in der Schweiz generell mit Stickstoff sehr belastet. Der herangekarrte Humus wird deshalb mit Sicherheit einen für den Wald bedenklich hohen Stickstoffgehalt aufweisen. Die invasiven Neophyten, die man dem RK1 im Vorprüfungsbericht so sehr anlastet, werden damit zum Bumerang für RK2: Japanischer Knöterich und Brennesseln und andere Stickstoffzehrer werden sich im RK2 sehr wohl fühlen. Die Ortsbürgergemeinde kann also die aufwendigen Bekämpfungsmassnahmen, die sie jetzt dem RK1 nicht gönnte, dem RK2 nicht verweigern. Das Ausmagern stickstoffhaltiger Böden ist zudem ein langwieriger und unsicherer Prozess.


Der Ruheaspekt: Damit die Bevölkerung auch etwas hat von der  Rodung/Deponie, will man  einen Grillplatz mit den üblichen Zusatzeinrichtungen einrichten. Eigentlich müsste Rheinfelden aus dem eigenen und  reichen Erfahrungsschatz wissen, welche Nebenwirkungen damit verbunden sind: Littering und Nachtlärm.


Die Ruheinsel der Tiere in der jetzigen Wanne wäre dahin. Und an Ausweichmöglichkeiten bleibt ihnen nicht mehr viel übrig: Man hat auch den Aspekt „der neuen Enge“ bei den Planungen grosszügig übersehen (eine häufige Schwäche des aargauischen Naturschutzes: s.dazu den von Pro Natura Aargau unterstützte Abbau des Hombergs im Bözberggebiet).


4. Die Transaktionskosten


In etwa 50  Jahren wäre RK2 so weit, wie RK1 jetzt ist. Die neuen Eichen in RK2 und die vorgesehenen Teiche können nicht verdecken, dass damit eine beträchtliche ökologische Verarmung verbunden ist.


Nach „Lothar“ oder irgendeiner Epidemie müsste man sich mit diesem Ausfall abfinden: Hier aber wird der Eingriff wegen 3.5 Mio Deponiegebühren gemacht, für eine Ortsbürgergemeinde, die sich längst mit ihren Kies/Deponie-Einnahmen finanziell gesund gestossen hat. Das moralische Argument (öffentliches Interesse) fehlt. Die nahe Deponie „Rütenen“ kann zeitgerecht Aushubmaterial aufnehmen.


Deshalb stellt sich die „Abtreibungsfrage“. Bis wann darf man eine sorgfältig und als definitiv geplante Baumpflanzung wieder umlegen? Ich meine: sobald sich Einzelbäume zum Wald formieren, ist der kritische Punkt erreicht. Das Wäberhölzli hat diesen aber weit überschritten. Die Deponiegebühren begründen bei dieser Überlegung keine Ausnahme.


Die Deponie vernichtet 40-50 Jahre photosynthetischer Aufbauarbeit, auf einer Fläche von 8 Hektaren. Das ist im Naherholungsbereich von Rheinfelden ein erheblicher Eingriff, und zwar nicht nur für die menschlichen Bedürfnisse, hier wird der Natur die Rolle der Verliererin zugeschoben.

 

Für mich ist es deshalb unverständlich, wie ein solches Projekt nach all den Sensibilisierungen (auch in den Schulen) der letzten Jahrzehnte überhaupt das Licht der Welt erblicken konnte. Dass es aber auch noch von 3 Naturschutzorganisationen* gedeckt wird, lässt doch an der menschlichen Vernunft zweifeln - oder richtiger: verzweifeln!


*Pro Natura AG, Birdlife AG, NVVR: alle 3 sind zwar leicht zu disqualifizieren, aber eben nicht zu annullieren)


Sie sehen: Auf dem WWF ruhen nun Hoffnungen, die man als letzte (vor dem Alleingang) bezeichnen kann!

 

Mit freundlichem Gruss

 

Brigitte Wunderlin, Vorsitz                                                    Jürg Keller                                                                                  


Die Natur und die Deponie im Wäberhölzli

(Leserbrief an die NFZ zum Artikel 'Rheinfelder Jagdaufseher wehrt sich gegen die Deponie' vom 20. Oktober 2015)

 

Unser Jagdaufseher sieht das schon richtig: Die Natur würde durch die geplante Deponie im Wäberhölzli die Zwei auf dem Rücken tragen.

Man muss hier nicht schon wieder alle bereits bekannten Faktoren anführen. Es ist zur Genüge klar geworden: Das jetzige Wäberhölzli ist biologisch wertvoller als das das Wäldchen, das auf der Deponiedecke entstehen soll. Dazu trägt massgeblich der standortgerechte Aufbau des bestehenden Waldes und seine ökologisch wertvolle Wannenform bei. Würde man den ökologischen Reichtum des Wäberhölzlis auf eine Waagschale legen, und den des geplanten Wäldchens auf die andere, würde das Wäberhölzli die Waagschale heftig anheben.

Nun wird aber - auch im erwähnten Artikel - immer wieder betont, der aufgeforstete Wald solle "wertvollen Lebensraum für viele Pflanzen und Tiere bieten". Genau das aber bietet das Wäberhölzli schon jetzt - und erst noch in grösserem Masse. Dass die Stadt sich von diesem "eine Aufwertung und einen Mehrwert für die Natur" ver-spricht, ist zumindest dann falsch, wenn man das jetzige Wäberhölzli als Vergleich nimmt. In Sachen Natur ist das Wäberhölzli in der Favoritenrolle!

Auch das ständige Hervorstreichen des "sauberen Untergrundes" ist kein Grund für die Rodung: Der jetzige Untergrund besteht ebenfalls aus sauberem Aushubmaterial. Man darf dazu den ehemaligen Grubenbetreiber Anton Hasenböhler selber befragen (dieser musste übrigens auch das bestehende Wäberhölzli nach Vorgaben des Kantons als Definitivum pflanzen lassen - und auf dem jetzigen Niveau).

Wie auch immer die Diskussion zu dieser Deponie verlaufen wird: Aus dem Vergleich des Wäberhölzlis mit dem geplanten "Rekultivierungswäldchen" lässt sich die Deponie nicht rechtfertigen. Dazu müssten andere Gründe genannt werden.

 

Im Namen der IG "NEIN zur Deponie Wäberhölzli"

 

Jürg Keller, Rheinfelden


Schade

 

(Zum Rheinfelder Einwohnerwaldgang vom vergangenen Samstag, 15. August 2015)

 

An diesem von der Stadt Rheinfelden/Ortsbürgergemeinde veranstalteten Waldgang haben wir teilgenommen. Franco Mazzi hat in seiner kurzen Begrüssungsansprache erwähnt, dass dieser Waldgang zirka alle vier Jahre stattfindet, um den Einwohnern einen guten Überblick über die Aktivitäten im Wald zu geben.

Die Ausführungen von Stadtoberförster Steck waren sehr interessant und lehrreich, auch hat er in seinen Ausführungen wiederholt das Engagement und die Verpflichtung der Ortsbürgergemeinde, also der Waldbesitzerin, hervorgehoben. Im Verlaufe des Um-gangs wurde ich dann über das oft erwähnte Eichenreservat schon ein bisschen hellhörig, und so hat es mich auch nicht erstaunt, als beim letzten Halt eingehend über die Restauffüllung des Wäberhölzlis gesprochen wurde. Somit hatte ich den Eindruck, dass der Waldumgang weniger mit dem Wald zu tun hatte als mit der Abstimmung am 9. Dezember 2015 - schade! So etwas hinterlässt doch einen schalen Geschmack!

 

Helena Schenker, Rheinfelden


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